Varel

Der ehemalige Fliegerhorst Varel ist einer der weniger bekannten Plätze im nordwestdeutschen Raum und steht ein wenig im Schatten der heute noch - oder wieder - existierenden Fliegerhorste Jever, Wittmund und Oldenburg. Dabei hat der Fliegerhorst Varel durchaus seine interessanten Aspekte. Bemerkenswert ist insbesondere, daß Varel im Gegensatz zu den Fliegerhorsten Jever und Oldenburg nur über eine eher geringe Gebäudeinfrastruktur verfügte, die eher an Baracken auf Einsatzhäfen erinnert, dafür aber - im Gegensatz zu den vorgenannten Plätzen - von vorne herein mit drei befestigten Startbahnen in Form einer Triangel versehen war. Als Bezeichnung für den Platz sind sowohl Varel- Birkenfeld als auch Varel- Friedrichsfeld geläufig.

Der Bau des Fliegerhorstes begann im Jahre 1936 südlich der Hauptstraße von Varel nach Neuenburg. Hierzu wurden sowohl Staatsforsten als auch Heidegelände und landwirtschaftlich genutzte Flächen herangezogen, die durch das Reichsbauamt angekauft wurden. Einzelne im Gebiet des geplanten Fliegerhorstes seßhafte Landwirte wurden auf Ersatzhöfe umgesiedelt. Der Hauptauftragnehmer für den Bau des Platzes war eine Fa. Speek aus Datteln. Im Unterauftrag wurden auch eine ganze Anzahl lokaler Unternehmen und Arbeitskräfte tätig. Während des Krieges wurden zudem Kriegsgefangene und "Ostarbeiter" auf dem Platz eingesetzt.

Im Einzelnen entstanden die bereits angesprochenen drei Startbahnen mit einer Abmessung von 1200 x 80m sowie eine Ringstraße mit 4,5m Breite. Während des Krieges wurden im Nordosten, Südosten und im Westen des Platzes weitere Rollwege angelegt, an denen mit Tarnnetzen abgedeckte Splitterboxen entstanden. Weiterhin wurde der obligatorische Eisenbahnanschluß geschaffen. Als Stabs- und Unterkunftsgebäude entstanden an der Nordseite des Platzes flache Ziegelgebäude. Diese Gebäude sind noch heute vorhanden. Weitere Unterkunftsmöglichkeiten wurden durch einfache Baracken sowie durch Nutzung vorhandener Gebäude geschaffen. Im Bereich des Kindererholungsheimes "Birkenfeld" entstand das Sanitätsrevier sowie ein Luftschutzbunker. Beide Objekte sind jetzt in Privatbesitz.

Eine Luftaufnahme von Anfang der 70er Jahre in gleicher Blickrichtung Foto: Rolf Wurster

Für die Wartung der Luftfahrzeuge wurde lediglich eine Werfthalle in freitragender Bauweise errichtet. Die Halle selber wurde nach dem Krieg demontiert, jedoch sind noch heute auf dem Gelände die Betonfundamente zu finden. (siehe Photo) Eine weitere Halle wurde zwischen Werft und Unterkunftsbereich als Veranstaltungshalle (KdF- Halle) errichtet, die in alliierten Aufklärungsplänen (siehe Ries/Dierich: Fliegerhorste) als Hangar eingezeichnet ist.


Foto: Alsdorf

Im Westen des Platzes entstand ein Munitionslager, von dem noch heute Gebäude vorhanden sind. Eine Platzlandwirtschaft sorgte mit einer Schafherde für die Pflege des Geländes.

 

 

Stabsgebäude: links Vorderansicht ca. 1940, rechts Rückansicht 2001

 

Bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges war der Platz knapp fertiggestellt. Eine erste Belegung erfolgte ab August 1939 mit dem Stab und der I. Gruppe ZG 26 "Horst Wessel". In den Jahren bis 1945 sah der Platz eine ganze Anzahl von zeitweise stationierten Verbänden. Daneben nahm der Platz auch Teile von auf den benachbarten Plätzen wie Jever oder Marx stationierten Verbänden auf.

Am 24. März 1945 wurde der Platz noch Ziel eines großen Luftangriffes, der insbesondere im Bereich der Startbahnen schwere Schäden anrichtete.

Nach Kriegsende wurden die Flugplatzanlagen durch dänische Einheiten gesprengt. In den Unterkunftsblöcken wurden zunächst ehemalige russische Kriegsgefangene und polnische Familien (Displaced Persons) untergebracht. Zeitzeugen berichten von nächtlichen Überfällen und Plünderungen in der Umgebung durch Bewohner des Lagers. Die Anwohner sahen sich sogar gezwungen eine "Bürgerwehr" aufzustellen. Zur Betreuung der Bewohner wurde im ehemaligen Kasernenbereich eine Schule und ein Kindergarten eingerichtet. Im Wachgebäude entstand ein Krämerladen.

Gebäude 1 (Wache) kurz nach 1945. Der Text des Schildes (polnisch) lautet: Herzlich Willkommen

Nach der Rückführung der DPs stand der Kasernenbereich zunächst leer, bis im Jahre 1960 die Bundeswehr das Gelände übernahm. Zwischen 1964 und 1971 war auf dem Platz die FlaRakGrp 26 stationiert, die dann nach Rodenkirchen verlegte. Ab 1965 benutzten in Varel stationierte Verbände des Heeres den ehemaligen Fliegerhorst als Truppenübungsplatz bzw. als Mob- Stützpunkt.

 

Wache und Kasernenblock heute (2001). Beachtenswert die Pflasterung der Straßen mit Klinkersteinen

Eine umfassende Dokumentation über die Geschichte des Platzes wurde durch den Heimatverein Varel e. V. verfasst. Diese Dokumentation ist erschienen in Heft 14 der "Vareler Heimathefte", ISBN 3-9807784-1-X.

Quelle: Plan und Fotos 2- 4: Carstens, Varel, Fotos 5-6: eigene Aufnahmen


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