Schwäbisch Hall

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Der Fliegerhorst Schwäbisch Hall wurde in den Jahren 1934 - 1936 im Stadtteil Hessenhal angelegt und am 17. März 1936 mit der Fliegergruppe Schwäbisch Hall als ersten Fliegenden Verband belegt. Er zählt damit zu den frühen Plätzen der Luftwaffe, deren Bau noch unter der Tarnbezeichnung der Deutschen Verkehrsfliegerschule (D. V. S.) errichtet wurden. Die Ausführung der Bauten des Platzes spiegelt den Ansatz einer vorgeblich zivilen Nutzung wider. Kennzeichnend sind zurückhaltende Bauformen, die sich bewusst vom bisherigen Typus der Kasernenbauten absetzte. Die Regie des Baues lag beim Luftamt (später Luftkreiskommando) München. Die Baumaßnahmen leitete der Regierungsbaumeister Dr. Treiber. Die unter seiner Regie errichteten Gebäude und Anlagen können als gutes Beispiel der oft zitierten "Luftwaffenmoderne" gelten. Während die technischen Gebäude (Hallen etc.) auf dem neusten Stand der Industriebautechnik standen, wurde bei den Unterkunfts- und Sozialbereiche eine "gemütliche", familiäre Atmosphäre erzeugt, die die Identifikation der dort stationierten Soldaten mit "Ihrem" Fliegerhorst befördern sollte. 


Abb. 1: Mannschaftsspeisesaal im Fliegerhorst

Zusätzlich zu den eigentlichen Kasernenbauten entstand  im Bereich des heutigen Schlichtweges eine Wohnsiedlung für die ortsverheirateten Offiziere, Unteroffiziere und Beamte. Der Stil dieser Gebäude steht im Einklang mit den Fliegerhorstbauten. 

Abb. 2 und 3: Wohnhäuser der ehemaligen Fliegerhorstsiedlung

Der Fliegerhorst Schwäbisch Hall wurde konzipiert und errichtet für die Aufnahme einer Gruppe eines Kampfgeschwaders. Hierzu war nicht nur das Flugfeld selber sondern auch die Anzahl und Größe der Hangare entsprechend dimensioniert. Ab 1.4. 1936 wurde die III. Gruppe des KG 155 in Schwäbisch Hall aufgestellt und zwar aus Teilen der 3./KG 252, die aus Tutow (Mecklenburg- Vorpommern) kamen. Der Stab des Geschwaders sowie die II. Gruppe lag ins Ansbach, die erste Gruppe, die als "fliegerische Keimzelle" angesehen werden kann, in Giebelstadt. Dort hatte der Aufbau einer Fliegergruppe bereits ein Jahr vorher begonnen. Am 1. April 1937 wurde die III/KG 155 geteilt. Die . Staffel und einige weitere Besatzungen bildeten die neue Zelle für die II/KG 355. Das KG 155 verlegte im Sommer 1938 nach Wels (Österreich). Bis dahin lagen zwei Kampfgruppen auf dem Fliegerhorst. Das KG 355 wurde 1939 zum KG 53 umbenannt und erhielt per 1. Mai den Traditionsnamen „Legion Condor“. Die III./KG 155 verlegte im Sommer 1938 nach Wels in Österreich. 

Abb. 4 und 5: 20.04.1937 - Erstmalige Hissung der Truppenfahne
Das Antreten fand statt zwischen der Truppenküche (links) und Mannschaftsunterkünften (rechts). Rechtes Foto im Hintergrund die Offiziersunterkünfte
Sowohl die Küche als auch die Unterkünfte wurden im Krieg beschädigt und später abgerissen.

 Während des Krieges waren eine ganze Reihe verschiedener Verbände mit unterschiedlichen Luftfahrzeugtypen auf dem Platz stationiert. Zu Beginn des Krieges war Schwäbisch Hall einer der Absprungbasen für Angriffe auf Frankreich. Neben der III./KG 53 waren zeitweise auch Teile des KG 55 auf dem Platz zu finden. Nach dem erfolgreichen Ende des Westfeldzuges wurde Schwäbisch Hall vornehmlich für rückwärtige Aufgaben eingesetzt. Das bedeutet, daß der Platz zur Auffrischung von Verbänden sowie zur Schulung genutzt wurde. Eine besondere Bedeutung erhielt Schwäbisch Hall durch die Tatsache, daß ab Ende 1942/Anfang 1943 das Erprobungs- und Lehrkommando 21, später Kampfgruppe 21 - dann III./KG 100, mit der Erprobung und der Entwicklung von Einsatzverfahren sowie der Ausbildung von Besatzungen für die Fernlenkwaffen (einzusetzen gegen Seeziele) Fritz X und HS 293 begann. Zusammen mit der Aufstellung der Kampfgruppe kamen auch die neuen Flugzeugtypen Do217,  He177 und sogar die FW 200 "Condor" nach Schwäbisch Hall. In der Folge wechselte die Belegung des Platzes in kurzen Abständen, bedingt durch Umschulungen und nachfolgender Verlegung an die verschiedenen Fronten. Nun wurde schnell deutlich, daß die ursprünglich vorhandenen zwei befestigten Startplattformen für diese größeren Flugzeugtypen nicht mehr ausreichten. Deshalb wurde von Februar bis Juni 1943 eine 1800 m lange Startbahn gebaut, über die noch zu reden sein wird.

Bedeutung erhielt der Platz  als einer der "Silberplätze", von denen aus die Luftwaffe den strahlgetriebenen Jäger Me 262 einsetzte. Zunächst begann ab April 1944 die Mit- Nutzung des Platzes durch die Firma Messerschmitt. Zunächst erfolgte die Industrieausbildung von Personal der 9./ZG 26 auf Me410. Anschließend begann die Umschulung von Teilen des KG51 auf Me262. Darüber hinaus erfolgte am Platz bzw. in der nahegelegenen "Waldfabrik Hasenbühl" ab 1.4.1944 auch der Bau dieses Flugzeuges. Diese Aktivitäten führten dazu, daß Schwäbisch Hall in den Blickpunkt alliierter Zielplaner geriet. Es folgten Luftangriffe unterschiedlicher Intensität und Wirkung am 13.09.1944, 5.11 1944 und 25.02.1945. Am 22. März 1945 wurde der Platz durch schwere Luftangriffe total zerstört. Die noch verbliebenen Verbände (II. NJG 6 und II./KG 51) verließen daraufhin Ende März 1945 den Platz. Auch Messerschmitt verließ Schwäbisch Hall. Und ließ am 30. März 1945 22 endmontierte Me 262 ausfliegen. 21 kamen in Neuburg an, die 22. landete mit ihrem Piloten Hans Fay auf dem von US-Truppen besetzten Rhein-Main-Flughafen. Diese Maschine war die erste Me 262, die den Amerikaner völlig intakt in die Hände gefallen war. Die Amerikaner testeten sie in ihrem Zentrum Wright Field in Ohio, wo sie am 20. August 1946 abstürzte. Pilot Walter J- McAuley überlebte leicht verletzt. Am 19.4.1945 erfolgte die Einnahme durch amerikanische Truppen.

Antreteplatz Abb. 4 und 5 Befehlsgebäude/Flugleitung Halle 1 (zerstört) Halle 2 Halle 3 (zerstört) Halle4 (Werft)(zerstört) Flächenbau - später NCO's Club KFZ- Hof Annahme und Versand Eisenbahnrampe Feuerwehr - abgerissen Wache (abgerissen) Casino Offz- Unterkünfte Unterkünfte (abgerissen) Unterkünfte (abgerissen) San- Revier (zerstört) früheres Schwimmbad Küchengebäude (zerstört) Halle 5 (zerstört) Halle 6 (zerstört) Startgebäude (zerstört) Horstkommandantur Unterkunft Fliegerhorstkompanie

Abb. 6: Die Karte führt "interaktiv" zu den wichtigsten Einrichtungen und des Platzes sowie den Einzelabbildungen

Nach Ende des Krieges begann eine Zeit der Besetzung des Platzes und auch von Teilen der Stadt durch amerikanische Truppen und "displaced persons". Das Zusammenleben von Besatzern und Besetzten war in der Anfangszeit alles andere als harmonisch. Erst im Laufe der Jahre und nach Rückgabe der requirierten Häuser normalisierten sich die Verhältnisse wieder. Die amerikanischen Truppen hatten den ehemaligen Fliegerhorst beschlagnahmt und stationierten dort das 771. Panzerbataillon. Am 17.06.1947 wurde der Fliegerhorst in "Camp Dolan" , am 22.07.1949 in "Dolan Barracks" umbenannt. 

Abb. 7: Parade am 28. Oktober 1949 zum Jahrestag 173. Jahrestag der 5th Field Artillery (in Hessental lag die „B“ Battary) Im Hintergrund ist die zerstörte Halle 1 erkennbar.

Diesen Namen behielt die Kaserne bis zum ihrer Aufgabe am 23. September 1993. Im Laufe der Jahre wurden eine Reihe unterschiedlicher Einheiten auf dem ehemaligen Fliegerhorst stationiert. Ab dem Frühjahr 1966 wurde der Platz auch für eine fliegerische Nutzung reaktiviert. Als letzter fliegender Verband verließ im September 1993 die mit schweren Transporthubschraubern vom Typ CH-47 "Chinook" ausgerüstete A/5-159 Schwäbisch Hall in Richtung Giebelstadt.

Interessant anzumerken ist, daß in unmittelbarer Nachbarschaft zum US- Army Airfield der zivile Flugplatz Schwäbisch Hall - Weckrieden entstand. Hier sind die beiden parallel verlaufenden Start- und Landebahnen nur durch die Kreisstraße K2665 voneinander getrennt. Im Rahmen gutnachbarlicher Zusammenarbeit wurde eine Verbindungsrollbahn zwischen beiden Plätzen geschaffen (siehe nachfolgende Luftaufnahme oben rechts), die es insbesondere Geschäftsreiseflugzeugen ermöglicht in Hessental zu starten und zu landen und diese in den Hallen von Weckrieden zu parken. Der Hintergrund dieser Maßnahme bestand darin, daß der amerikanische Platz IFR- zugelassen war, der Sportflugplatz jedoch nicht. Vom hohen Tower des Militärplatzes hatten die Controller einen guten Einblick auch auf den Verkehr des benachbarten zivilen Platzes.

Die amerikanischen Heeresfliegerkräfte nutzten die übernommenen deutschen Kasernenanlagen weiter, errichteten aber auch eine Reihe neuer Gebäude - unter anderem auch auf dem ursprünglichen Flugfeld des Platzes. Eine Ausrichtung von Funktionsgebäuden erfolgte auf die im Krieg zusätzlich angelegte Start- und Landebahn. Entsprechend den Bedürfnissen der Heeresflieger wurde die ursprünglich im 2. Weltkrieg gebaute Startbahn verkürzt. Die aufgegebenen Teile der Startbahn sind auf der nachfolgenden Luftaufnahme (Abb. 8) gut zu erkennen.

Unten Abb. 9: Luftaufnahme - Der freie betonierte Platz zeigt den Ort der früheren Halle 1, rechts daneben "Haus der Wirtschaft" und Halle 2. Unten rechts im Bild das Offizierscasino, darüber KFZ- Hof im Bereich der ehemaligen Halle 3. Ganz links im Bild Teile der ehemaligen Startplattform von 1935 sowie Startbahnreste

Nach Abzug der amerikanischen Streitkräfte im Jahre 1993 und Freigabe des Areals kaufte die Stadt Schwäbisch Hall 1995 das Flugplatzgelände um es unter dem Namen "Solpark" zum Gewerbepark zu entwickeln. Hierbei bleibt die fliegerische Nutzung des Platzes erhalten. Im Zuge der Konversion des Platzes wurden eine Reihe ehemaliger Bauten des Flugplatzes - und damit auch des ehemaligen Fliegerhorstes der Luftwaffe entfernt. Andere Gebäude werden - mit veränderter Bestimmung - weitergenutzt. Auf Initiative des Industriellen Reinhold Würth wurde der Platz in die Flugplatz Schwäbisch Hall GmbH als einer Tochtergesellschaft der Würth- Gruppe umgewandelt. Die bisherige Startbahn wurde durch eine neue, auf 1.540m verlängerte und in ihrer Ausrichtung etwas gedrehte Bahn ersetzt. Seit Oktober 2004 hat diese neue Bahn die volle IFR- Zulassung. Damit ist der Platz Schwäbisch Hall zukunftssicher.

Im "Haus der Wirtschaft" - siehe Abb. 11 - hat der "Verein für die Geschichte des Flugplatzes Schwäbisch Hall 1934 - 1993 e.V." ein besuchenswertes Flugplatzmuseum eingerichtet - siehe nachfolgende Abbildungen 36 und 37. Es gibt anhand von Bilddokumenten und Realstücken einen Überblick über Aufbau und Nutzung des Platzes durch die Luftwaffe 1934-1945. Besondere Bedeutung erlangte er durch ein Endmontagewerk der Firma Messerschmitt für die damals revolutionären Düsenjäger vom Typ Me 262. Die zweite Abteilung des Museums ist der Benutzung des Platzes durch die US Army gewidmet, die ihn nach dem Krieg mit verschiedenen Verbänden diverser Waffengattungen belegte, bis er 1993 geräumt und zivler Nutzung zugeführt wurde. Kontakt: Vorsitzender flugplatzmuseum-schwaebisch-hall

Nachfolgend möchte ich zu einem (virtuellen) Spaziergang über den Platz einladen. Gehen Sie dazu noch einmal auf den Lageplan des Platzes 

 Abb. 10:  Das Befehlsgebäude und Flugleitung ca. 1936

 Abb. 11:  Das selbe Gebäude 2003 - Haus der Wirtschaft 

 Abb. 12:  Das Befehlsgebäude und Halle 2 ca. 1990

 Abb. 13: 2001 - Haus der Wirtschaft - Detail am Seiteneingang

 

  Abb. 14:  Das Befehlsgebäude und Halle 1 - 01.04.1937 (Teilung 155/355)

  Abb. 15: 2000 - Halle 2 

 Abb. 16:  2001 - Rückansicht Halle 2

 Abb. 17:  2001 - KFZ- Hof auf der Fläche der früheren Halle 3 

 

  Abb. 18:  Der KFZ- Hof  - Sommer 2003

  Abb. 19: 2000 - Der Flächenbau vom Flugfeld her gesehen

 Abb. 20:  2003 - Die Bahnrampe bei AuV (hinten links KFZ- Hof)

 Abb. 21:  2003 - Annahme und Versand (AuV) und Flächenbau. Auf dem freien Feld im Vordergrund früherer Platz der Werfthalle (Halle 4)

 

Abb. 22: Feuerwehr, Rückansicht ca. 1990 - inzwischen abgerissen

Abb. 23: Feuerwehr, Vorderansicht, ca. 1990

 

  Abb. 24:  Unterkunftsgebäude ca. 1990

  Abb. 25: Schon historisch: Inzwischen abgerissenes Unterkunftsgebäude - Zustand ca. 1990

 

Abb. 26 und 27: Noch erhalten: Offiziersunterkünfte am Casino  - Zustand 2001

Die Unterkunftsgebäude tragen Namen von Jagdfliegern und Pour-le-Merit- Trägern des 1. Weltkrieges, wie Boelke oder Berthold. Der Name sowie der Orden sind jeweils über der Eingangstür angebracht.

 Abb. 28:  Das Casino Sept. 1936

 Abb. 29:  2001 - Casino - Eingangsbereich

 Abb. 30:  Terrasse des Casinos Sept. 1936

 Abb. 31:  2001 - Casino - Terrassenbereich 2001

 

Abb. 32: Bauliches Detail des Casinos

 Abb. 33 und 34: Heute nicht mehr vorhanden: Die Wache samt angrenzender Gebäude; links ca. 1990, rechts ca. 1936 Auf dem rechten Foto Mitte links die Fliegerhorstkommandantur, rechts die Unterkunft der Fliegerhorstkompanie.

 Abb. 35: Die neue Startbahn im Bau Sommer 2004. Am oberen Teil der neuen Bahn noch gut erkennbar die Reste der alten Bahn. So wird die Verschwenkung der besonders deutlich.

 

Credits:

Mein besonderer Dank gilt Herrn Koziol, Schwäbisch Hall für seine Unterstützung

Fotos/Copyright:

Luftwaffenmuseum Gatow: Abb. 1

M. Koziol: Abb. 4, 5, 6, 7, 10, 12, 14, 22, 23, 24, 25, 28, 30,34

Foto Weller, S.- Hall: Abb. 8, 9

Michael Klages: Abb. 15, 19, 33

Bernhard Weiß: Abb. 2, 3, 11, 13, 16, 17, 18, 20, 21, 26, 27, 29, 31, 32

Flughafen Schwäbisch Hall GmbH: Abb. 35

Flugplatzmuseum-Schwaebisch-Hall.de: Abb. 36, 37


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