Crailsheim

Der ehemalige Fliegerhorst ist sicher einer der weniger bekannten Plätze. Ein Grund ist sicherlich in der Tatsache begründet, daß der Platz eigentlich nie die Heimat eines bekannten Geschwaders war oder eine bedeutende Rolle im Luftkriegsgeschehen des 2. Weltkrieges gespielt hat. Trotzdem ist Crailsheim eine nähere Betrachtung und einen Besuch wert.

Der Bau des Fliegerhorstes Crailsheim begann 1935 auf einem freien Gelände westlich von Crailsheim, zwischen dem Bahnhof und der Gemeinde Roßfeld. Auf diesem Gelände lag das landwirtschaftliche Anwesen "Falkenhof", nach dem der Platz seinen Beinamen erhielt.

Der Bau des Fliegerhorstes ging zügig voran und schloß neben Flugzeughangars, Flugleitung und Feuerwehr auch massiv ausgeführte Unterkünfte und einen KFZ- Hof ein. Um die Familien der zuversetzten Soldaten unterbringen zu können wurde eine neue Wohnsiedlung errichtet. Per 1.10.1937 wurde vom Reichsluftfahrtministerium die Aufstellung einer Fliegerhorstkommandantur befohlen. Ein ständiger Verband wurde jedoch zunächst noch nicht in Crailsheim stationiert. Statt dessen wurden immer wieder Verbände kurzzeitig auf den Platz verlegt.

Torbogen und Stammkompanie Kompanieunterkuenfte Hangare 2 und 3 KFZ- Bereich - 2009 abgerissen Annahme und Versand - 2009 abgerissen Casino - jetzt Musikschule Halle IV - zerstört Halle V - zerstört Kommandantur - jetzt Kindergarten Wache - jetzt Wohnhaus Halle VI - jetzt Lagerhalle Fa. Voith Flugleitung - jetzt gewerblich genutzt Halle 1 - jetzt gewerblich genutzt Kantine - Gaststätte Pulverfässle - inzwischen abgerissen

1938 wurde dann verfügt, in Crailsheim das Fliegerausbildungsregiment 43 zu stationieren. Weiterhin wurde zum 1.4.1939 die Flugzeugführerschule (FFS) A/B 43 in Crailsheim aufgestellt. Ende 1939/Anfang 1940 mußten beide den Fliegerhorst räumen um Platz zu schaffen für Einsatzverbände, die am Polen- und am Frankreichfeldzug teilnehmen sollten, kehrten aber nach Ende der Feldzüge zurük. Die FFS bleibt am Platz bis zum 1.4.1945. Anfang April 1945 wird der Platz und die Stadt Crailsheim hart umkämpft. Nachdem die Amerikaner den Platz zunächst besetzen konnten und erste Transporter zur Versorgung amerikanischer Bodentruppen auf dem Platz landeten, konnten deutsche Truppen den Platz kurzzeitig zurückgewinnen. Erst am 22. April 1945 fiel Crailsheim endgültig. Dabei nahm die Stadt schweren Schaden, während der Fliegerhorst selber die Gefechte relativ unbeschadet überstand. Lediglich die Feuerwehr, die Hallen IV und V sowie einzelne Unterkunftsgebäude überstanden den Krieg nicht.

Nach dem Krieg wurden die Unterkünfte sowohl durch sogenannte Displaced Persons (DPs) als auch durch wohnungslose Crailsheimer genutzt. In Hallen und anderen Zweckgebäuden richteten sich Werkstätten und Betriebe ein. Weiterhin wurden bis zum Wiederaufbau der Stadt auch Behörden und Schulen auf dem Fliegerhorst einquartiert.

Nachdem, bedingt durch den Koreakrieg, auch in Europa ein Aufwuchs an Truppenpräsenz erforderlich wurde, wurden seitens der amerikanischen Streitkräfte Ansprüche auf den Fliegerhorst Crailsheim erhoben. Nachdem deutlich wurde, daß lediglich eine Stationierung von Bodentruppen vorgesehen war, einigte man sich darauf, den Fliegerhorst nicht zu räumen, sondern für die amerikanischen Truppen eine neue Kaserne auf dem ehemaligen Flugfeld entstehen zu lassen. Hier ging man also einen anderen Weg als in Wertheim, wo die deutschen Bewohner des Fliegerhorstes in eine neu zu errichtende Wohnsiedlung ausgesiedelt wurden um die Kaserne den Stationierungsstreitkräften zur Verfügung zu stellen.

Ab 1951 wurden also die McKee- Barracks genannte Kaserne auf dem ehemaligen Flugbetriebsgelände errichtet, wobei zur Gemeinde Roßfeld hin eine neue Wohnsiedlung für die Soldatenfamilien entstand. Die noch erhaltenen Flugzeughallen sowie der KFZ- Bereich und andere Liegenschaften wurden ab 1957 durch die Bundeswehr für ein Depot genutzt. Das Depot wurde in zwei Etappen aufgelöst: zum 1.7.1995 der Südbereich, zum 1.10.1999 der Nordbereich. Auch die Gaststätte/Kantine "Pulverfässle", die im ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Fliegerhorstes eingerichtet war, wurde per 1.7.1995 geschlossen.

Bei einem Besuch im Sommer 2001 zeigte sich ein überraschendes Bild: Die McKee- Barracks waren bis auf die Wohngebäude abgerissen. Der Fliegerhorst dahingegen erschien baulich in einem tadellosen Zustand, als sei er erst gestern von seiner Besatzung geräumt. Die Unterkünfte werden noch immer vom Bundesvermögensamt als Wohnungen vermietet. Die Flugzeughallen stehen teilweise unter Denkmalschutz und sind (Halle I und Halle VI) an Firmen vermietet oder werden (Halle II und III) durch die Stadt Crailsheim genutzt. Die Garagen des KFZ- Hof verfügen noch über ihre originalen Holztüren - man muß hier schon von Denkmalswürdigkeit sprechen! Lediglich die ehemalige Flugleitung ist auf den ersten Blick als solche nicht zu erkennen. Die nachfolgenden Fotos sollen einen Überblick über den Erhaltungszustand des Platzes im Sommer 2001 geben.

Abb. 1: Torbogen Abb. 2: Gebäude mit Torbogen

Abb. 3: Unterkunftsgebäude des Fliegerhorstes Abb. 4: Gebäude Burgberg 6

Abb. 5: Hangar 2 Abb. 6: Hangar 3

Abb. 7: KFZ- Hof Abb. 8: KFZ- Hof - Detail

Abb.9: Ehemaliges Offizierskasino - jetzt Kreismusikschule Abb. 10: Ansicht des Innenhofes mit Blick auf den Festsaal

Abb.11: Die Wache: Einst ..... Abb. 12: .... und jetzt

Fortschreibung

Seit meinem letzten Besuch haben sich eine Reihe von Veränderungen auf dem Platz ergeben. So ist inzwischen das frühere Flugfeld fast vollständig mit Gewerbebauten überbaut. Und das Gewerbegebiet frisst sich weiter an den Fliegerhorst heran. So wurden im Jahre 2009 die Gebäude des KFZ- Hofes (siehe Abb. 7 und 8) sowie der ehemalige "Bahnhof" - auch "Annahme und Versand" genannt - abgerissen um Platz für weitere Gewerbebauten zu schaffen. Verschwunden ist ebenfalls der Bau der Truppenküche/Kantine, das spätere "Pulverfässle". Die nachfolgende Luftaufnahme erlaubt einen guten Überblick über die Veränderungen. Rot markiert sind die beiden inzwischen abgerissenen Gebäudekomplexe, Grün die ehemalige Flugleitung und die Hangare 2 und 3 sowie das überbaute Flugfeld , Blau der Kasernenbereich.

Hier noch ein Blick aus einer anderen Perspektive: Rot gekennzeichnet die 2009 abgerissenen Gebäude: "Annahme und Versand" mit Bahnanschluß, ein Funktionsgebäude sowie der KFZ- Hof. In Grün: Der Hangar 1 (Werft) - mit einem anderen Gebäude angebaut -, die Flugleitung sowie die Hangare 2 und 3.

Quellen: Luftaufnahmen: Karaya, Lageplan und Bild 4, 5, 6 und 9: Stadt Crailsheim, sowie eigene Aufnahmen


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