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Wittmund

Die Geschichte des Fliegerhorstes Wittmundhafen ist die Geschichte von drei Flugplätzen, die im Laufe der letzten beinahe 100 Jahre auf dem Gelände des jetzigen Fliegerhorstes bestanden haben.

1. Der Luftschiffplatz Wittmundhafen

Am 13.09.1911 vernichtet ein Flächenbrand den "Wittmunder Wald" südlich der Auricher Chaussee. Dadurch entstand ein großes freies Gelande. Dieses Gelände fand z Beginn des 1. Weltkrieges das Interesse des Militärs und der Heeresluftschiffhafen entstand 1916 mit der Luftschiffdoppelhalle "Wille". Im Jahre 1917 übernahm die Marine den Platz. Es wurde die zweite Halle "Wunsch" erbaut. Die Marine betrieb Wittmundhafen bis 1918. Die zwei folgenden Abbildungen zeigen den Lageplan des Luftschiffhafens, kopiert auf eine spätere Luftaufnahme. Die zweite Aufnahme zeigt die Hallen "Wille" und "Wunsch".

Gut zu erkennen ist der Anschluß an die heute nicht mehr existierende Kleinbahn Aurich- Wittmund  

Nach dem ersten Weltkrieg endete auch die Geschichte des Luftschiffhafens Wittmund. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages wurden in den Jahren 1919 - 1921 die Luftschiffhallen abgebrochen und der Platz einer zivilen Nutzung zugeführt.

Weitere Informationen enthält die Broschüre "Wittmundhaven im 1.Weltkrieg" von Arno Wurm, 40 Seiten mit Bildern, Karten. Bezug telefonisch beim Autor unter 04944/7524.

 

2. Der Fliegerhorst Wittmund

Im Jahr 1938 begann das zweite Leben Wittmundhafens - dieses Mal zunächst als Einsatzhafen, dann als Fliegerhorst der Reichsluftwaffe. Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1940.

Im 2. Weltkrieg diente der Platz zunächst als Basis für die Bomber vom Typ He 111 der I./KG 4 "General Wever".

Im Jahre 1943 wurden die I. Gruppe/Nachjagdgeschwader 3 mit Bf 110 nach Wittmund verlegt um in das Reichsgebiet einfliegende Bomber zu bekämpfen. 1944 kam noch die III. Gruppe hinzu. Im Oktober 1944 kamen zusätzlich die 5. und 6. Staffel des KG 53 auf den Platz. Ihre Aufgabe war es, als luftgestützte Startplattform V1- Flügelbomben gegen die Alliierten einzusetzen. Besondere Bedeutung erhielt der Platz als Stützpunkt für da Jagdgeschwader 400, das im Frühjahr 1944 mit Raketenjägern Me163 "Komet" auf den Fliegerhorst verlegte.

Im Verlaufe des Krieges wurde der Platz immer weiter ausgebaut und erreichte beträchtliche Ausmaße. Nachdem ursprünglich drei Startbahnen in Triangel- Form angelegt waren, wurde die Ost- West- Bahn zu einer 3 km langen betonierten Hauptstartbahn ausgebaut. Abstellplätze reichten weit in die Landschaft hinein.

siehe unten

Eine Luftaufnahme vom 16.08.1944 gibt einen Überblick über die Ausdehnung des Platzes. In der unteren rechten Ecke des Fotos (südöstliche Ecke des Platzes) der Liegeplatzbereich des JG 400, der noch einmal detaillierter dargestellt wird.

Der Bau eines projektierten Ausweichplatzes in Brockzetel, zu dem bereits ein Verbindungsrollweg zum Platz Wittmund fertig gestellt war, wurde wegen schwieriger Bodenverhältnisse abgebrochen.

Die Luftaufnahme von Brockzetel stammt vom 10.04.1945. Links unten der Rollweg nach Wittmund

Am 21. März 1945 wurde der Fliegerhorst Wittmund durch einen Bombenangriff so schwer getroffen, daß der Flugbetrieb eingestellt werden mußte.

Nach dem Krieg wurde der Fliegerhorst demilitarisiert, d. h. daß (fast) sämtliche Gebäude abgerissen und die Startbahnen und Rollwege aufgehoben wurden. Das Gelände wurde den örtlichen Landwirten zur Nutzung übergeben.

Es ist jedoch Interessant zu wissen, daß einige Gebäude des ehemaligen Fliegerhorstes den Krieg und die anschließende Demilitarisierung des Platzes überlebt haben. Besonders interessant ist die Tatsache, daß es sich hierbei um Liegeplatzgebäude des JG. 400, ausgerüstet mit Me 163, handelt. Die Lage der Gebäude ist auf der nachfolgenden Luftaufnahme gut erkennbar:

als landwirtschaftliche Gebäude getarnte HangareStaffelliegeplatz?Treibstoffbunker Me 163?

JG.400

Es handelt sich bei den erhaltenen Gebäuden um die im unteren Viertel der Aufnahme (unmittelbar über diesem Text) sichtbaren im ländlichen Stil errichteten drei Hallen, sowie um die sich unmittelbar links davon um einen kleinen Hof gruppierenden Häuser sowie um die sich weiter links aufgereihten fünf Bunker (vermutlich Treibstoffbunker für Me 163).

Sämtliche Gebäude befinden sich heute außerhalb des Fliegerhorstes und sind also frei zugänglich.

 

 

3. Der Luftwaffenfliegerhorst Wittmund

Nach der Aufstellung der Bundeswehr begann Ende der 50er Jahre das "dritte Leben" des Platzes. Auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes entstand von 1959 bis 1963 der noch heute existierende Fliegerhorst der Bundesluftwaffe. Die heutige Startbahn stimmt in Lage und Ausdehnung in etwa mit der des 2. WK überein, sie ist jedoch etwas nach Westen verschoben und nordwest - südost geneigt. Ein Vergleich bietet die Luftaufnahme vom September 1965. Die seitlichen Begrenzungen des Platzes sind jedoch enger gezogen. So kommt es, daß die einzigen erhaltenen Bauten aus der Zeit des 2. WK heute außerhalb der Platzgrenzen liegen.

Die Luftaufnahme vom September 1965 läßt noch deutlich die Umrisse des ehemaligen Fliegerhorstes sowie die in der Südostecke erhaltenen Gebäude erkennen.

Im Frühjahr 1963 verlegte das Jagdgeschwader 71 "R" mit F-86 "Sabre" nach von Ahlhorn kommend nach Wittmund und ist dort bis heute stationiert. Bereits im selben Jahr beginnt die Umrüstung des Geschwaders auf die F-104 "Starfighter", die bis 1974 im Einsatz bleibt. Seitdem fliegt das Geschwader die F-4F "Phantom", die nun als Jagdflugzeug deutlich "in die Jahre" gekommen ist.

Aus den Aufbaujahren: Mittig zur Starbahn gelegen, Tower, Feuerwehr und Flugzeughangar

 

Flugbetrieb heute: F-4F "Phantom" in Wittmund. Foto: M. Tegge

Fotos: Archiv JG 71"R", Norbert Giese und eigene Bilder

 


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