Hannover- Vahrenheide

Seit nunmehr ca. 45 Jahren ist der Flughafen Hannover- Vahrenheide beinahe spurlos verschwunden. Dieses ist um so bedauerlicher, als der Flughafen nicht nur der erste "richtige" Verkehrsflughafen von Hannover war, sondern auch - als Flugplatz des Luftfahrtpioniers Karl Jatho - ein Stück deutscher Luftfahrtgeschichte darstellt.

Vormals nördlich der vor den Toren der Stadt Hannover gelegen, blickt der Platz auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Es begann als Exerzierplatz der hannoverschen Garnison, der um 1850 auf der Vahrenwalder Heide entstand. Dieser Exerzierplatz der blieb - von wenigen militärischen Anlagen wie den Schießständen abgesehen - noch lange unbebaut.

Auf dem "Großen Kolonnenweg" vergossen die Soldaten auf ihrem Marsch so manchen Schweißtropfen, und die "Kugelfangtrift" bezeugt, dass nicht jeder Schuss ins Schwarze traf. Ein weiterer Straßenname erinnert an den Jagdstall des Militär-Reit-Instituts, das Ferdinand Wallbrecht seit 1875 an der Vahrenwalder Straße errichtet hatte. Damals beherbergte das Gebäude die "Hohe Schule" der preußischen Kavallerie. In den dreißiger Jahren entstanden schließlich am Nordrand der Heide, angrenzend an Langenhagen, weitere Kasernenanlagen. Diese Anlagen überlebten den zweiten Weltkrieg. Während die östlich der Walsroder Straße gelegenen Kasernen nach dem Krieg von der Bundeswehr übernommen wurden (Heeresoffizierschule), blieben die westlich gelegenen Anlagen im Besitz der britischen Rheinarmee, die sie bis in die 90er Jahre nutzte und erst beginnend mit dem Jahre 2000 abgerissen wurden.

 

Flugverkehr in Vahrenheide

Der erste Flugversuch mit Motor: Fast einen Meter hoch und 18 Meter weit!

 

Karl Jatho in seinem Flugzeug sowie ein Gedenkstein an seinen ersten Flug.
Dieser Gedenkstein stand ursprünglich auf der Vahrenwalder Heide, ist jetzt aber vor dem Verwaltungsgebäude des Flughafens Langenhagen aufgestellt.

Nachdem Karl Jatho schon vor der Wende zu unserem Jahrhundert seine ersten Flugversuch auf der Vahrenwalder Heide unternommen hatte, soll er hier auch am 18. August 1903 zu seinem ersten Motorflug gestartet sein, fast einen Meter hoch und 18 Meter weit, angeblich dem ersten überhaupt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden auf diesem Gelände Jathos "Hannoversche Flugzeugwerke", die sich aber nicht lange behaupten konnten. Seit 1910 war ein Batallion der jungen Fliegertruppe auf der Vahrenwalder Heide stationiert, dem bald auch die Luftschiffer folgten. Bereits vorher hatten zivile Flieger diesen Flugplatz auf der Strecke Paris - Köln - Hannover rege benutzt.

Doch nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Werksflugplatz am Tönniesberg zum ersten zivilen Flughafen unserer Stadt. Hier starteten und landeten seit dem 15. April 1919 die Linienmaschinen nach Berlin. Aber gut vier Jahre darauf geht man doch wieder nach Vahrenwald, wo 1926 bereits 2548 Fluggäste, 23 Tonnen Fracht und 14 Tonnen Post gezählt werden.

Trotzdem genehmigt der Reichsverkehrsminister den Flughafen Hannover- Vahrenwald offiziell erst am 22. Mai 1928. Am 14. Juni 1931 landet hier sogar Hugo Eckener mit seinem Luftschiff "Graf Zeppelin".

In den Jahren 1934 und 1935 erbaute der Architekt Wilhelm Mues das heute noch existierende - jedoch anders genutzte - Empfangsgebäude des Flughafens.

 

Erste Flughafengebäude - links die Schießstände auf dem Gelände der heutigen Emmich-Cambrai-Kaserne Foto: Lufthansa

 

Empfangsgebäude und Flugzeughalle vor dem 2. Weltkrieg Fotos: Lufthansa

Nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidet man sich nach einigem Hin und Her, den weitgehend zerstörten - und im Grunde nicht erweiterungsfähigen - Flughafen nicht wieder auf der Vahrenwalder Heide einzurichten, sondern dafür das Gelände des Fliegerhorstes Langenhagen- Everhorst zum international wettbewerbsfähigen Flughafen Hannover- Langenhagen auszubauen. Auf dem ehemaligen Flughafengelände entsteht eine neue "Stadt".

Ein ehemals auf der Vahrenheide errichtete Gedenkstein an Karl Jatho wurde 1953 vor dem Gebäude der neuen Flughafenverwaltung in Langenhagen- Evershorst aufgestellt.

Der Bereich des alten Flughafens wandelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich zum Industriegelände und wurde zum Teil auch mit Wohnhäusern bebaut. Seit 1956 ist dann der Stadtteilname "Vahrenheide" für dieses Gebiet auf den Karten zu finden. 1960 lesen wir, dass "jetzt im Norden der Stadt auf den Flächen des ehemaligen Flugplatzes Vahrenwalder Heide ein größeres Wohngebiet entsteht mit einem modernen Einkaufszentrum, mit Schulen und Kirchen und mit guten Verkehrsverbindungen durch die Straßenbahnen". Die Bebauung begann etwa 1955 mit dem eigentlichen Flughafengelände, dessen Straßen nach Flugpionieren benannt wurden und wo innerhalb weniger Jahre ein Gewerbegebiet entstand.

 

Die oben abgebildete Flugzeughalle und Empfangsgebäude heute

Letzte Zeugen des ehemaligen Flughafens sind das jetzt von der Standortverwaltung Hannover genutzte ehemalige Empfangsgebäude sowie eine angrenzende ehemalige Flugzeughalle. Weitere Zeugen der Luftfahrtgeschichte waren weitere Flugzeughallen an der Kugelfangtrift, die noch bis ende der 90er Jahre bestanden und von einer Spedition als Lagergebäude genutzt wurden. Diese Hallen sind inzwischen abgerissen. An ihrer Stelle entstehen derzeit moderne Gewerbe- und Bürogebäude.

Quellen: http://www.nananet.de/vahrenheide/Seiten/Stadtteile/Vahrenheide/geschichte_vahrenheide.html

Fotos: Lufthansa sowie eigene Aufnahmen, Jatho- Gedenkstein: Andreas Grimsehl


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