Tutow - Gestern und Heute

Der jetzige Flugplatz Tutow hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie lässt sich in drei Abschnitte aufteilen:

- bis 1945

- 1945 - 1993

- ab1995

Dabei hat der Platz nach 1945 sein Gesicht vollkommen verändert. Von den bis 1945 errichteten Gebäuden und Anlagen ist sehr wenig geblieben. Die Veränderungen des Platzes soll mittels zweier übereinander projezierter Lagepläne (bis 1945 und heute) illustriert werden. Der Lageplan ist "animiert". Durch "Mouse over" können Erläuterungen oder Links zu Fotos aufgerufen werden.

Tutow - bis 1945

Der Fliegerhorst Tutow in Mecklenburg- Vorpommern wurde beginnend mit dem Jahre 1932 als einer der ersten "neuen" Fliegerhorste in Deutschland als Standort einer Flugschule errichtet und entwickelte sich zu einem Modell für fliegerische Ausbildungseinrichtungen in Deutschland.

Der Bau des Platzes begann mit dem Ankauf größerer Ländereien durch das Reichsluftfahrtministerium. Auf dem Gelände entstehen gleich zwei Flugfelder, Tutow Nord und Süd, und bereits im Jahre 1933 betreibt der "Deutsche Luftsport Verband" (DLV), als eine Tarnorganisation für die Aufstellung einer neuen Luftwaffe, eine Flugschule in Tutow. In rascher Folge werden Lehr- und Ausbildungsgebäude, Unterkünfte, Werkstätten und Sporteinrichtungen gebaut, alles nach modernsten Standards. So verfügten die Unterkünfte (24 Gebäude) über eine zentrale Beheizung und waren mit fließend Kalt- und Warmwasser ausgestattet - zu der damaligen Zeit war das auch in privaten Häusern noch lange keine Selbstverständlichkeit. Zu den Sporteinrichtungen zählte auch eine Schwimm- sowie eine Turnhalle und ein Stadion mit Bestuhlung. Für die Offiziere des Standortes wurde ein Casino am Wittenwerder See mit Seeterrasse angelegt. Am See wurde weiterhin eine Seebadestelle angelegt. Für die Flugzeugtechnik wurden insgesamt 12 Hallen errichtet.

Für die Zivilbeschäftigten sowie die Familien der Soldaten entstand die Wohnsiedlung "Flughafen Tutow". Auch die Wohnsiedlung war vorbildlich durchgeplant und die Gebäude waren mit allen Annehmlichkeiten, entsprechend den damaligen Standards ausgestattet. Die Anlage kann man daher ohne weiteres als Mustersiedlung bezeichnen. Auch die Ver- und Entsorgung mit Trinkwasser wurde vorbildlich geregelt. Die Trinkwasseranlage war mit Keramikfiltern ausgestattet. Die Abwasserentsorgung erfolgte nach Brauch- und Regenwasser getrennt, wobei das Brauchwasser in einer eigenen Kläranlage behandelt wurde. Diese Wasserversorgungseinrichtungen wurden nach dem Kriege durch die russischen Besatzungstruppen stillgelegt. Dadurch waren sowohl die Soldaten als auch die Bevölkerung auf die Wasserentnahme aus dem See angewiesen.

Ein besonderes Interesse verdient auch der Blick auf die - sonst wenig betrachtete - Platzlandwirtschaft. Grundsätzlich erhielt jeder Platz einen eigenen Platzlandwirt, der insbesondere auch für die Instandhaltung der Rollflächen und Bewirtschaftung der übrigen Grünflächen zu sorgen hatte. Die Platzlandwirtschaft in Tutow leistete einen erheblichen Beitrag zur Eigenversorgung der Garnison. So wurden 300 Schweine gehalten, zusammen mit 1000 Gänsen und anderem Geflügel. Ca. 5000 Angorakaninchen lieferten Wolle für die Wärmeschutzkleidung der Flieger. Für die Pflege der Rollflächen sorgten drei Schafherden. Und schließlich gab es eine Obstplantage mit 2500 - 2700 Gehölzen und sogar eine Seidenraupenzucht.

So stellte der Fliegerhorst in seiner Gesamtheit ein Vorzeigeobjekt, auch für ausländische Gäste oder Diplomaten, dar.

Abb. 1: Mannschaftunterkünfte - Der Standort der Gebäude liegt jetzt unter von russischen Streitkräften aufgeschütteten Radarhügeln begraben Abb. 2: Hallen 6 (Vordergrund) und 7

Besonders angesprochen werden soll hier das Offizierscasino am Wittenwerder See, dass auf grund seiner gelungenen Anlage oft publiziert worden ist. Auch von diesem Bau sind nur wenige Relikte erhalten. Zwei Aufnahmen geben einen Eindruck von der gediegenen Inneneinrichtung

Abb. 3: Casino mit Gästehaus (rechts) und Unterkunft für Flugschüler (links) Abb. 4: Festsaal mit Terasse

Abb. 5: Durchblick kleiner Saal zum Wintergarten Abb. 6: Jagdzimmer

Abb. 7: Blick auf Terrasse Abb. 8: - und die heute im Unterholz vorhandenen Reste der Terrasse

Die Stationierung von Einheiten begann per 1.7.1934 mit der Aufstellung des KG 252. Dazu begann die Aufstellung der Kampffliegerschule 1, die später in "Große Kampffliegerschule" umbenannt wurde. Neben der Stationierung verschiedener Verbände erfolgte im Laufe der Krieges auch ein Produktion von Flugzeugen statt, und zwar die Endmontage von Fw 190 durch die Arado- Werke, die aus Warnemünde in Nebenwerke verlegten.

Abb. 9: Annahme und Versand Abb. 10: Lokschuppen
heutige Flugleitung sowie erhaltenes Lagergebäude und abgerissene Halle 5 abgerissene Halle 4 abgerissene Halle 3 angerissene Halle 2 abgerissene Halle 1 abgerissene Halle 6 abgerissene Halle 7 abgerissene Halle 8 abgerissene Halle 9 abgerissene Halle 10 abgerissene Halle 11 abgerissene Halle 12 KFZ- Bereich Annahme und Versand Casino am See Offiziersunterkünfte und Gästehäuser Mannschaftsunterkünfte Sporthalle und Schwimmbad Hörsaalgebäude Garagen Feuerwache sowjetische Plattenbausiedlung rund um den Pommernring reicht bis ehemalige Halle 4 und überdeckt frühere Gebäude wie KFZ- Hof und Halle 3 sowjetische Plattenbausiedlung rund um den Pommernring reicht bis ehemalige Halle 4 und überdeckt frühere Gebäude wie KFZ- Hof und Halle 3

Abb. 11: Lageplan des Platzes: Die heute Startbahn samt Rollwegen vor dem Hintergrund der ursprünglichen Anlagen
Die Kommandantur, Post, Wohnsiedlung etc. lagen rechts ausserhalb des Lageplans

Tutow - 1945 bis 1993

 Nach dem Krieg hatte die sowjetische Militärverwaltung zunächst kein Interesse an einer Weiternutzung der Liegenschaft. Nachdem zunächst Flüchtlinge und Heimatvertriebene in den Gebäuden des Platzes einquartiert wurden, erging der Befehl die Kasernen abzureißen. Zuvor wurden Ausrüstungen und Bauteile werden als Reparationsleistungen in die Sowjetunion verschafft. Die Kasernenanlagen werden in den Jahren 1948/49 zur Gewinnung von Baustoffen - insbesondere Ziegeln - abgerissen. Bauteile (Fensterrahmen etc.) fanden Verwendung bei Baumaßnahmen der Ortsbewohner. Erst kurz vor der endgültigen Sprengung auch der Straßen im Fliegerhorst erreichen die Anwohner einen Stop der Abrißarbeiten. Heute sind nur noch drei Originalgebäude des Platzes vollständig und eines in Teilen erhalten. Hierbei handelt es sich um 3 Unterkunftsgebäude, die heute als Altenheim dienen, sowie um die ehemalige Registratur, die heute als Amtsgebäude dient. Als weiteres Gebäude ist das Kommandantenwohnhaus erhalten, das heute die Kinderkrippe beherbergt.

Abb. 12: Das Hörsaalgebäude Abb. 13:- und die gleiche Stelle heute

Bereits Anfang der 50er Jahre beginnt eine neue militärische Nutzung des Platzes. Die sowjetischen Truppen legten eine moderne Start- und Landebahn von 2200m Länge an. Diese Bahn erstreckt sich von Nordost nach Südwest über das Gelände von Tutow Nord- und Süd und wurde auch über die Fundamente der abgerissenen Schwimmhalle sowie den Unterkunftsgebäuden der Mannschaften gelegt. In den folgenden Jahren wird der Platz abwechselnd sowohl durch sowjetische Truppen als auch durch Einheiten der LSK der NVA genutzt, z. B. bei Bauarbeiten auf dem eigenen Platz. 1985 übernahmen die sowjetischen Truppen den Fliegerhorst endgültig in eigene Regie und stationierte Jagdbomber von Typ Su-25. Die sowjetischen Truppen errichteten nun in kurzer Zeit eine Wohnsiedlung mit Gebäuden im typischen "Plattenbaustil". Weiterhin entstand ein Tower samt Nebengebäude, ein Staffelliegeplatzgebäude sowie eine kleine Flugzeughalle.

1993 verließen die russischen Streitkräfte Tutow. Danach fiel das Gelände an das Bundesvermögensamt.

Einige Bilder aus Tutow

Abb. 14: Tower und erhaltenes Lagergebäude Abb. 15: Wache und ehemalige russische Kasernengebäude

Abb. 16: ehemaliges Kommandantenhaus Abb. 17: heutiges Rathaus

Abb. 18: ehemalige Unterkunft Abb. 19: ehemalige Post samt Garage

 

Neues Leben für Tutow

Dank der Initiative des Enthusiasten Karl Feußner beginnt nun ein drittes Leben für Tutow - als Sportflugplatz. Nach zähen Verhandlungen mit den verantwortlichen Stellen im Land Mecklenburg- Vorpommern und unter Einsatz nicht unerheblicher finanzieller Mittel ist es Karl Feußner gelungen, eine Neuzulassung des Platzes zu erreichen. Die Eröffnung erfolgte im Jahre 2002. Hier zwei Highlights der folgenden Jahre:

Abb. 20: Landung der Ju 52 D-AQUI im April 2003 Abb. 21:September 2004: Erste Landung eines Jets

Seit 2006 wird der Platz von Herrn Johannes Eitschberger betrieben.

Weitere Informationen finden sich auf der Website von Karl Feußner: http://www.flugplatz-tutow.seite.com/

Abb. 22: Luftaufnahme des Platzes - rechts der Wittensee

Quellen und Copyright:

- Text und Abb. 7 und 12: Horst Dassow

- Abb. 1 und 2: Luftwaffenmuseum Gatow

- Abb. 3 - 6: Traditionsgemeinschaft Boelke

- Abb. 11 und 20: Karl Feußner

- aktuelle Fotos: Bernhard Weiss


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