Großostheim

Die Geschichte des ehemaligen Einsatzhafens Großostheim ist durch die Heimatforscher der Stadt gut dokumentiert. Daher kann an dieser Stelle dieser Platz vorgestellt werden, obwohl er zu den weniger bekannten Plätzen des 2. Weltkrieges zählt.

Der Bau des Flugplatzes begann im Jahre 1936 mit umfangreichen Rodungsarbeiten in einem Waldstück der Gemeinde. Das Reich übernahm Gelände von insgesamt 110 ha auf Pachtbasis. Da zunächst nur wenige feste Gebäude entstanden, konnte schon am 7. Mai 1937 Richtfest gefeiert werden. Neben einem Flugfeld mit Grasnarbe entstand zunächst eine Platzlandwirtschaft. Hierzu wurde ein Kommandanturgebäude im ländlichen Stil. Dazu entstand ein Ochsenstall und ein Feuerwehrgerätehaus. Zusammen mit einer Scheune machte die gesamte Anlage den Eindruck eines ländlichen Anwesens. Bewohnt wurde das Kommandanturgebäude bis zum Kriegsausbruch denn auch durch den Platzlandwirt. Lediglich im Keller war eine Fernschreib- und Fernsprechzentrale eingerichtet. Aufgabe des Platzlandwirtes war in erster Linie die Pflege des Rollfeldes. Hierzu gehörte natürlich in erster Linie das regelmäßige Mähen des Geländes.

Luftaufnahme nach Bombenangriff - in der rechten oberen Ecke des Platzes die Liegenschaftsgebäude

Erst am 26. August 1939 wurde der Flugplatz mit einer Horst- und einer Luftnachrichtenkompanie belegt. Aus Giebelstadt verlegten die 8. und 9. Staffel der III. Gruppe des KG 53 "Legion Condor" mit He 111 P. Die Zuführung von ständigen Verbänden erforderte den zusätzlichen Bau von Wohn- und Unterkunftsbaracken in den angrenzenden Waldstücken. Die beiden fliegenden Staffeln verlegten jedoch in der zweiten Oktoberhälfte zurück nach Giebelstadt. Mit Befehl vom 28. April 1940 wurde Großostheim als Einsatzhafen 1. Ordnung zusammen mit Nidda, Altenstadt und Zellhausen dem Leithorst Langendiebach unterstellt. Zur selben Zeit verlegte die 4. Staffel der II:/KG 2 mit Do17 Z auf den Platz und nahm von dort aus am Frankreichfeldzug teil.

Nach Ende des Frankreich- Feldzuges war der Flugplatz bedeutungslos geworden und die fliegenden Einheiten wurden abgezogen. Es fand lediglich eine Lastensegler- Schulung statt. Eine Belegung mit fliegenden Verbänden fand erst wieder ab 30. August 1944 statt als die 1./NJG 4 mit Ju88 auf den Platz verlegte. Am 2. September folgte die 2. Staffel Transportfliegergruppe 30 (2./TG30) mit He111 H-20. Aufgabe der 2./TG 30 war die Fernversorgung der eingeschlossenen Atlantikhäfen. Hierzu erfolgten Einsätze nicht nur aus Großostheim direkt sondern auch teilweise mit Zwischenlandung in Zellhausen oder Frankfurt, da Großostheim für den Start einer voll beladenen He 111 zu klein war. Da der Platz die zusätzlichen Mannschaftsstärken nicht mehr aufnehmen konnte, wurden die Soldaten und auch Funktionsräume, wie z. B. Geschäftszimmer oder Krankenrevier in privaten Gebäuden in Großostheim und benachbarten Orten untergebracht. Am 29. Januar 1945 verlegte die 2./TG 30 weiter nach Wertheim, am 25. April 1945 nach Kaufbeuren und spätere noch nach Österreich. Ab 12. Dezember 1944 verlegte die III./JG 11 nach Großostheim. Auch die Unterbringung des Personals dieses Verbandes erfolgte in Privatquartieren in der Umgegend. Die Flugzeuge selber wurden in weitem Umkreis disloziert und - wo immer möglich - getarnt abgestellt. Der Verband bliebt bis zum 23. Januar 1945 am Platz. Über eine weitere Belegung nach diesem Datum ist nichts bekannt.

Am 25. März 1945 wurde der Platz von deutschen Truppen geräumt. Nach Ende des Krieges nutzten zunächst verschiedene amerikanische Einheiten das Gelände des Platzes bevor in den noch vorhandenen Gebäuden und Baracken des Platzes Flüchtlinge untergebracht wurden. Da sich die Anlage des Flugplatzes auf - durch das Kriegsende hinfällig gewordenen - Pachtverträge gründete, wurde recht bald nach dem Krieg eine Folgenutzung des Geländes als Wohn- und Gewerbegebiet geplant und die Umsetzung angegangen. So ist der Platz heute vollständig überbaut. Siehe Kartenskizze.

Auf der Karte sind neben dem ehemaligen Fliegerhorstgelände der jetzige Flugplatz Großostheim sowie (Kreuz) die Lage des "Charlie"- VOR des Flughafens Frankfurt eingezeichnet

Die Gebäude des Platzes erlebten ein unterschiedliches Schicksal. So wurde das Kommandantenhaus unmittelbar nach dem Krieg durch amerikanische Truppen gesprengt. Zwei zugehörige landwirtschaftliche Gebäude bestehen weiterhin (Gemeindewohnungen und Lager). Die Flugzeughalle des Werftbereiches überlebte bis 1954 und wurde dann durch einen Brand vernichtet. Reste des Gebäudes sind in einem Nachfolgebau integriert. Bis heute existiert die ehemalige Flugleitung am heutigen Ostring (heute Feuerwehr- und Jugendheim nebst einer Wohnung) oder die Kantine des Platzes, die heute als privates Wohnhaus genutzt wird. Durch die Aufteilung der ehemaligen Liegenschaftsgebäude (Platzlandwirtschaft, Kantine und Werfthalle) in Einzelgrundstücke ist leider das in sich stimmige Ensemble zerrissen und das einstmals in sich geschlossene Gesamtbild verfälscht. Im nahen Wald existieren Reste von Bunkern.

 

Ehemalige Werfthalle und Gebäude der Platzlandwirtschaft

Originalaufnahmen der Gebäude finden sich auf der Seite "Fliegerhorste"


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