Dortmund- Brackel
Diese Seite soll die Erinnerung an den früheren Flugplatz bzw. Fliegerhorst Dortmund wach halten. Der Platz/Fliegerhorst ist - bis auf wenige Relikte - vollständig verschwunden. Der erste Flugplatz der Stadt Dortmund war Dortmund - Brackel und lag an der Eisenbahnline Dortmund - Hamm. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde der Flugplatz Dortmund- Wickede aufgebaut.
In der Geschichte des Platzes Brackel lassen sich folgende Perioden unterscheiden:
Die zivile Nutzungsphase von ca. 1914 bis 1934
Bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg wird der westliche Bereich des Gebietes sporadisch als Landeplatz genutzt. Im Zuge des in den zwanziger Jahren aufkommenden Postflugverkehrs hat die Deutsche Luftreederei im Jahre 1921 ein kleines Büro in einer Baracke eingerichtet. Zur Inbetriebnahme des Geländes als Flugplatz für den Personenflugverkehr werden in den folgenden Jahren u.a. Maßnahmen zur Trockenlegung der feuchten Wiesen ergriffen. Die eigentliche Eröffnung des Platzes als Flughafen erfolgte mit der Einweihung des Platzes am 24.05.25 und der nachfolgenden Inbetriebnahme am 27.05.1925 Die Entwicklung des Platzes erhielt mit der Gründung der Dortmunder Flughafen GmbH am 19.01.1926 neue Impulse. Am 27.05.1926 erfolgte die Grundsetinlegung für ein neues, modernes Flughafengebäude das am 01.04.1927 samt Hotel, Gaststätte, Hangar und Signalturm eingeweiht wird. Der Flughafen entwickelt sich nach Köln aber noch vor Düsseldorf und Essen zu einer der wichtigsten Drehscheiben des westdeutschen Flugverkehrs.


Abb. 1 und 2: Flughafen Dortmund: Luftaufnahme des Flughafengebäudes samt flankierender Hangare sowie linker Hangar mit Signalturm vom Flugfeld aus gesehen. Beachtenswert ist die moderne Glasbauweise des "Towers".
Die zivil-militärische Nutzungsphase von 1934 bis 1939
Ab 1934 werden Enteignungsverfahren "zur Anlage eines Flugplatzes für die Luftwaffe" eingeleitet und mit Baumaß nahmen für den geplanten Fliegerhorst begonnen. Am 07.03.1936 erfolgt die Stationierung von Stab und I. Gruppe des Jagdgeschwaders "Horst Wessel" (I./134), dessen Bezeichung sich per 1.11.38 in JG 142 "Horst Wessel", per 1.1.39 in Zerstörergeschwader (ZG) 142 "Horst Wessel" und schließlich per 1.5.39 in ZG 26 änderte. Der Verband war zunächst ausgerüstet mit Luftfahrzeugen vom Typ Arado 68 E und F, später mit Bf 109. Im Winter 1939/40 erfolgte die Umrüstung auf Bf 110. Der militärische Teil des Flugplatzes erhält den Namen "Richthofen- Kaserne". Kurz darauf hebt das Luftfahrtamt Münster die Genehmigung für den Verkehrsflughafen Dortmund auf. Der nun als "Sonderflughafen" bezeichnete Standort wird aber weiterhin auch noch zivil genutzt. Im Jahre 1938 erhielt der Platz, der zunächst nur über eine Grasnarbe verfügte, eine betonierte Startbahn, die auch von zivilen Maschinen genutzt wurde. Am 26.08.1939 endet dann die zivile Nutzung endgültig.
Die militärische Nutzungsphase als Fliegerhorst durch die Reichsluftwaffe von 1939 bis 1945
Während des Zweiten Weltkrieges wird der Fliegerhorst intensiv durch verschiedene Kampfverbände, Fliegerabwehr und Wartungspersonal genutzt. 1941 sind in der Kaserne ca. 1.000 Soldaten untergebracht. Schwerpunkte der Belegung des Platzes war die Zeit des Westfeldzuges inm Frühsommer 1940 in der auch die Transportverbände KGzbV 101, 105 und 106 in Dortmundstationiert waren sowie die Zeit der Reichsverteidigung ab Herbst 1943. in Neben dem oben genannten Zerstörergeschwader waren vor allem Jagdflieger auf dem Platz stationiert, so zum Beispiel die III:/JG 54 vom Dezember 1940 bis Januar 1941 mit Bf 109 oder der Stab und die IV./NJG 1 vom 2. September 1944 bis 28. März 1945. Ausgerüstet waren die Nachtjäger mit Bf 110 und Ju 88. Kurz vor Ende des Krieges, am 28. März 1945, verlassen die letzten Fliegereinheiten den Flugplatz; zurück bleiben 70 Mann zur Bodenverteidigung. Vor dem Abzug sprengten die deutschen Truppen jedoch noch die Startbahn sowie Flugzeughallen und andere technische Gebäude. Am 12. April 1945 besetzt eine amerikanische Panzereinheit das Gelände; zwei Monate später werden von den Britischen Streitkräften insgesamt 160 ha beschlagnahmt.
Die Nachkriegsphase (nach 1945)
In den ersten Nachkriegsjahren sind auf dem Standort verschiedene Einheiten englischer Waffengattungen stationiert. 1953 dürfen auch Segelflieger den Platz wieder benutzen; 1956 offiziell auch Motorflugzeuge. Das Ende der zivil- sportlichen Teilnutzung des Flugplatzes erfolgt mit dem NATO-Beschluß von 1959. Der Flughafenbetrieb wird eingestellt und nach Do- Wickede verlegt. Der Flughafen wurde 1959 mit dem Einzug von Einheiten der Britischen Rheinarmee aufgegeben. Auf der ehemaligen Landebahn entstanden Gebäude, und der nördliche Flughafenteil wurde zu einem - jetzt noch bestehenden - Golfplatz umgestaltet. Südlich des ehemaligen Flughafens schlossen und schließen sich ringförmig Kasernen- und Wohngebäude - die sog. Napier Barracks - sowie ein jetzt aufgegebener Schießplatzz an. Die jahrzehntelange Nutzung durch britische Heereseinheiten und damit einhergehende ständige Um- und Neubauten haben das Bild des Fliegerhorstes stark verändert. So sind insbesondere flugbetriebliche Anlagen wie Hallen oder die Flugleitung entweder verschwunden oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Als Beispiel sei hier das ehemalige Gebäude "Annahme und Versand" (Magazin) genannt. Längst seinem ursprünglichen Gleisanschluß beraubt, diente es den britischen Streitkräften als (Mannschafts-) Kantine mit dem euphemischen Namen "Rapier- Club" sowie als NAAFI- Shop. Foto: Abb. 3 und 4

Nach Aufstellung der Bundeswehr wird eine Teilfläche des nordöstlich
angrenzenden Waldgebietes - dem sog. "Buschei- Wald" - von der Bundeswehr als
Schießanlage genutzt und zwar auf dem Standort der ehemaligen
Heeresschießanlage. Auf dem östlichen Teilstück dieser Anlage hat sich seit 1976
ein privater Sportschützenverein etabliert.
Der eigentliche Kern des
Flugplatzes - der zivile Teil mit Empfangsgebäude und Flugzeughallen - an der
Richthofen- (heute Flughafenstraße) - wird Anfang der 70er Jahre abgerissen und
durch ein Gewerbegebiet überbaut. Erhalten bleiben die Kasernen des
militärischen Teils.
Am 31.10.1995 wird der Standort von den Britischen
Streitkräften freigegeben. Damit endet die militärische Nutzung - mit Ausnahme
des Bundeswehrschießstandes - endgültig.
Nach Jahren der Ruhe und der
Abgeschiedenheit geht die Stadt Dortmund nunmehr an die Entwicklung des Geländes
der ehemaligen "Napier Barracks". Als erster Schritt erfolgte im Jahre 2003 der
Abriss einer Reihe von Gebäuden, die für die britischen Streitkräfte errichtet
wurden sowie der ehemaligen Startbahn des Fliegerhorstes. Anschließend wurde das
Gelände munititionsbereinigt.
Die nachfolgende Luftaufnahme aus dem Jahre
1999 (Abb. 5) zeigt das Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes vor dem Abriss.
Das ehemalige Flugfeld sowie die Anlage der Gebäude sind gut zu erkennen.

Zum Vergleich ein Kartenausschnitt des selben Gebietes. (Abb. 6) Das Gelände des ehemaligen zivilen Teils bzw. Verkehrsflughafens ist rot markiert:

Weitere Fotos zeigen die Bereinigung de Geländes Herbst 2003:

Herbst 2003: Die Startbahn samt der darauf errichteten Gebäude ist
abgräumt. (Abb. 7)

Herbst 2003: Geborgene unterirdische Tanks. (Abb. 8)

Herbst 2003: Betonschredder und Erdbewegungsmaschinen haben
Wochenendruhe. (Abb. 9)
Abschließend lade ich zu einem virtuellen Spaziergang über das Gelände des Fliegerhorstes ein. Die interaktive Karte (Abb. 10) führt zu Aufnahmen einzelner Gebäude bzw. gibt kurze Erläuterungen zu nicht dargestellten Objekten.


Abb. 11: Unterkunft der Horstkompanie
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| Abb. 12: Blick auf die Hauptwache und Kommandantur in den 70ern | Abb. 13: 2003 wacht hier Bello |
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| Abb. 14: Offiziers- Casino und Offiziersunterkünfte 1936 | Abb. 15: Der Zustand 2001: Vegetation und aufgefahrene Erde verstellen den ursprünglichen freien Blick |
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| Abb. 16: Löwen- Statue auf dem Vorplatz des Casinos im hohen Gras. Im Hintergrund Offiziersunterkunft | Abb. 17: Die Rückseite: Eine verwilderte Terasse |
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| Abb. 18: Truppenküche 1936 ..... | Abb. 19: und 2001 - Dichte Vegetation erlaubt keine andere Perspektive |
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| Abb. 20: Truppenküche Dortmund ca. 1936 - modernste Technik | Abb. 21: "auf Stube" in Dortmund - ca. 1936 |
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Abb. 22: Unterkunftgebäude - mittels Laubengang mit der Kueche verbunden | Abb. 23: Kommandeurswohnhaus gegenüber den Unterkünften |
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| Abb. 24: Ehemalige Waffenmeisterei | Abb. 25: Ehemaliges San- Revier - später Sergants Mess |
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| Abb. 26: Ehemalige Feuerwehr - zum Schluß HQ der 9th Battery. Rechts im Bild: Herr Erit, Flugzeugmnotorenmeister in Dortmund von 1936 - 1944 | Abb. 27: Gruppenaufnahme 9th Battery 1985 |
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| Abb. 28: Zufahrt zu den Ställen - ungehemmte Vegetation | Abb. 29: Der letzte Bewohner |
In den Jahren ab 2004 wurden sämtliche Gebäude und Anlagen des ehemaligen Fliegerhorstes abgetragen und das Gelände überbaut, u. a, auch mit Trainingsanlagen des Fußballclubs Borussia Dortmund. Bei einem letzten Besuch im Herbst 2009 waren keine der ursprünglichen Gebäude des Platzes mehr erhalten. Lediglich einzelne von den Briten errichtete Bauten (wie z. B. Flak- Trainer) waren noch zu finden. Als einzige Erinnerung an den Fliegerhorst wurden die steineren Löwen, die einst vor dem Offiziers- Casino aufgestellt waren (siehe Abb. 15 und 16), erhalten. Sie grüßen nun im neuen Glanz an der Zufahrt zum BVB- Gelände.
Damit endet die Geschichte des ehemaligen Flugplatzes/Fliegerhorstes Dortmund- Brackel.
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| Abb. 30: Im Hintergrund die Kuppeln der Flak- Trainer bzw. Simulatoren | Abb. 31: Herbst 2009: Ein letzter Blick |
Quelle:
Deutsche Lufthansa: Abb. 1 und 2
Stadt Dortmund: Abb.
5
Archiv Horst Münter: Abb. 10, 11, 26
Archiv Nick Edwards: Abb. 12
und 27
Archiv Fliegerhorste :
restliche Abbildungen